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<title>Operation Sandcastle</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Operation Sandcastle</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr">
<p><b>Operation Sandcastle</b> war eine militärische Operation des <a href="Verteidigungsministerium_des_Vereinigten_K%C3%B6nigreichs" title="Verteidigungsministerium des Vereinigten Königreichs">britischen Verteidigungsministeriums</a> mit Hilfe der <a href="Royal_Air_Force" title="Royal Air Force">Royal Air Force</a> (RAF) und der <a href="Royal_Navy" title="Royal Navy">Royal Navy</a> zur Beseitigung von gut 14.000 t <a href="Tabun" title="Tabun">Tabun</a> und anderer chemischer Stoffe, die aus <a href="Wehrmacht" title="Wehrmacht">Wehrmachtsbeständen</a> stammten und 1955/56 zusammen mit den <a href="Hulk_(Schiffstyp)" title="Hulk (Schiffstyp)">Hulks</a> dreier <a href="Frachtschiff" title="Frachtschiff">Frachter</a> im <a href="Nordatlantik" title="Nordatlantik">Nordatlantik</a> versenkt wurden. Vorbild war u.&nbsp;a. die britisch/<a href="Vereinigte_Staaten" title="Vereinigte Staaten">US-amerikanische</a> „<a href="Operation_Davy_Jones%E2%80%99_Locker" title="Operation Davy Jones’ Locker">Operation Davy Jones’ Locker</a>“, in der von 1946 bis 1948 Schiffe mit Giftgasbeständen und anderen Kriegsmaterialien in der <a href="Nordsee" title="Nordsee">Nordsee</a> und im <a href="Skagerrak" title="Skagerrak">Skagerrak</a> und in der <a href="Ostsee" title="Ostsee">Ostsee</a> versenkt worden waren.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Der_Chemiewaffenbestand_in_Wales,_1946_bis_1955"><span id="Der_Chemiewaffenbestand_in_Wales.2C_1946_bis_1955"></span>Der Chemiewaffenbestand in Wales, 1946 bis 1955</h2></div>
<p>Die RAF hatte nach dem Ende des <a href="Zweiter_Weltkrieg" title="Zweiter Weltkrieg">Zweiten Weltkriegs</a> umfangreiche deutsche <a href="Chemische_Waffe" title="Chemische Waffe">Giftgasbestände</a> übernommen, meist in der Form von 250-kg-<a href="Fliegerbombe" title="Fliegerbombe">Fliegerbomben</a>. Diese wurden ab Oktober 1946 im Rahmen der Operation „Dismal“ von <a href="Hamburg" title="Hamburg">Hamburg</a> nach <a href="Newport_(Gwent)" title="Newport (Gwent)">Newport Docks</a> in <a href="Wales" title="Wales">Wales</a> verschifft, per Eisenbahn nach <a href="Llanberis" title="Llanberis">Llanberis</a> verfrachtet und von dort per Lkw auf das RAF-Flugfeld Llandwrog transportiert. Die Transporte fanden in der Regel nachts unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt, die Lkw wurden von Polizei und Ambulanzen begleitet. Bis Mitte Juli 1947 waren in Llandwrod 71.000 Bomben angeliefert worden, insgesamt wurden 14.000 t Tabun auf dem Flughafen gelagert.
</p><p>Llandwrog galt als idealer Lagerort, da das Flugfeld fernab von Siedlungen lag und außerdem davon ausgegangen wurde, dass der dort vorherrschende beständige Wind das aus den Fliegerbomben eventuell austretende Gas auf die See hinaus wehen würde. Um die Bomben vor <a href="Korrosion" title="Korrosion">Korrosion</a> zu schützen, wurden sie in <a href="Wollwachs" title="Wollwachs">Lanolin</a> eingetaucht; die wöchentliche Konservierungsquote lag bei 500 Bomben. Bei den Arbeiten trug das Personal Schutzanzüge. Bomben, die bereits Lecks aufwiesen, wurden in einer Spezialgrube mit <a href="Natriumhydroxid" title="Natriumhydroxid">Natriumhydroxid</a> neutralisiert. Bis 1951 wurden zum zusätzlichen Schutz der Bomben 21 <a href="Hangar" title="Hangar">Hangars</a> errichtet.
</p><p>Hintergrund der Lagerung war die potentielle Verwendung der Waffen im <a href="Kalter_Krieg" title="Kalter Krieg">Kalten Krieg</a> bzw. im <a href="Koreakrieg" title="Koreakrieg">Koreakrieg</a>, angeblich, weil die <a href="Sowjetunion" title="Sowjetunion">UdSSR</a> ebenfalls deutsche Chemiewaffen erbeutet hatte. Im Juni 1954 wurde im Verteidigungsministerium entschieden, dass die Waffen keinen Verteidigungswert mehr besäßen und daher vernichtet werden könnten. Offensichtlich stand dieser Entschluss im Kontext der atomaren Rüstung des Königreichs, nachdem 1952 in <a href="Australien" title="Australien">Australien</a> während der <a href="Operation_Hurricane_(Australien)" title="Operation Hurricane (Australien)">Operation Hurricane</a> zum ersten Mal eine britische <a href="Kernwaffe" title="Kernwaffe">Atombombe</a> gezündet worden war.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Operation_Sandcastle">Operation Sandcastle</h2></div>
<p>Die Entsorgung der britischen Tabunbestände erhielt den Codenamen „Operation Sandcastle“ und wurde in zwei Phasen durchgeführt.
</p><p>In der ersten Phase wurden die gut 71.000 Fliegerbomben auf dem Land- und Seeweg von Llandwrod in den Hafen von <a href="Cairnryan" title="Cairnryan">Cairnryan</a>, <a href="Schottland" title="Schottland">Schottland</a> transportiert. Für den Seetransport wurden sechs <a href="Landing_Craft%2C_Tank" title="Landing Craft, Tank">LCT</a> benutzt. In dem schottischen Hafen wurde das Material nach und nach auf drei zu versenkenden Hulks verladen:
</p>
<ol><li><i>Empire Claire</i> (ex <i>Clan Matheson</i>, Baujahr 1919, 5613 BRT)</li>
<li><i>Vogtland</i> (ex <i>Tiradentes</i>, Baujahr 1922, 4960 BRT)</li>
<li><i><a href="Canstatt_(Schiff%2C_1913)" title="Canstatt (Schiff, 1913)">Kotka</a></i> (Baujahr 1913, 5930 BRT).</li></ol>
<p>Die erste Ladung wurde im Juni/Juli 1955 auf der <i>Empire Claire</i> gebunkert. Sie verließ Cairnryan am 25. Juli mit 16.000 Bomben an Bord und einer neunköpfigen Besatzung. Drei Sprengsätze mit <a href="TNT" class="mw-redirect" title="TNT">TNT</a> waren bereits installiert. Aufgrund eines falschen Beladungsplans hatte die Hulk bereits bei der Abfahrt deutliche Schlagseite nach <a href="Backbord_und_Steuerbord" title="Backbord und Steuerbord">Steuerbord</a>. Begleitet wurde sie von dem Schlepper <i>Forester</i> sowie den Wachbooten <i>Mull</i> und <i>Sir Walter Campbell</i>. Schon unmittelbar nach dem Auslaufen versagten Teile der Antriebsanlage der <i>Empire Claire</i>, so dass die Hulk von der <i>Forester</i> geschleppt werden musste. Am 27. Juli wurde die <i>Empire Claire</i> auf der vorgesehenen Position <span id="Versenkung_der_Empire_Claire" class="coordinates -print"><a class="external text" href="geo:56.5,-12"><span title="Breitengrad">56°&nbsp;30′&nbsp;<abbr title="Nord">N</abbr></span>, <span title="Längengrad">12°&nbsp;0′&nbsp;<abbr title="West">W</abbr></span></a></span><span class="geo noexcerpt" style="display:none"><span class="body"></span><span class="latitude">56.5</span><span class="longitude">-12</span><span class="elevation"></span></span> außerhalb des Kontinental<a href="Schelf" title="Schelf">schelfs</a> durch Sprengung versenkt; ihr Untergang wurde von einem RAF-Aufklärungsflugzeug gefilmt. Die Sprengung verlief nicht ganz planmäßig; möglicherweise, weil die Hulk bereits starke Schlagseite hatte. Anstatt wie geplant auf ebenem Kiel langsam zu sinken, kenterte die <i>Empire Claire</i> über Steuerbord und sank zügig mit aufwärts gerichtetem Bug. Die Versenkungsstelle liegt auf einer Tiefe von gut 1.000 <a href="Nautischer_Faden" title="Nautischer Faden">nautischen Faden</a> (etwa 1800 m).
</p><p>Am 30. Mai 1956 wurde auf derselben Position die <i>Vogtland</i> mit 28.737 Bomben an Bord versenkt. Die dritte Ladung, bestehend aus 26.000 Bomben, 330 Tonnen <a href="Arsen" title="Arsen">Arsen</a> und 50 Kisten unidentifizierten Materials, sank am 21. Juli 1956 auf Position <span id="Versenkung_der_Kotka" class="coordinates -print"><a class="external text" href="geo:56.516666666667,-12.083333333333"><span title="Breitengrad">56°&nbsp;31′&nbsp;<abbr title="Nord">N</abbr></span>, <span title="Längengrad">12°&nbsp;5′&nbsp;<abbr title="West">W</abbr></span></a></span><span class="geo noexcerpt" style="display:none"><span class="body"></span><span class="latitude">56.516666666667</span><span class="longitude">-12.083333333333</span><span class="elevation"></span></span> zusammen mit der <i>Kotka</i>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Der_heutige_Zustand_der_Waffen">Der heutige Zustand der Waffen</h2></div>
<p>In welchem Zustand sich die <a href="Wrack" title="Wrack">Wracks</a> der versenkten Hulks und die in ihnen befindlichen Bomben heute befinden, ist offenbar unbekannt. Vermutlich wurden die Schiffshüllen beim Aufprall auf den Meeresboden zumindest beschädigt, wenn nicht aufgerissen und die Bomben zumindest teilweise durch die Meeresströmungen abgetrieben. Eine direkte Gefahr scheint von ihnen allerdings nicht auszugehen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Roy Sloan: <i>The Tale of Tabun. Nazi Chemical Weapons in North Wales</i>, Llanrwst (Gwas Carreg Gwalch) 1998. ISBN 0-86381-465-4</li>
<li>Nick McCanley: <i>Disasters Underground</i>, Havertown, PA (Pen &amp; Sword) 2003. ISBN 978-1-84415-022-9</li>
<li><i>Gas shells held for 10 years after war</i>, in: <i><a href="The_Times" title="The Times">The Times</a></i> vom 14. August 1969, S. 2.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Dokumentationen">Dokumentationen</h2></div>
<ul><li>Dokumentarbericht <i>Lethal Cargo</i>, ausgestrahlt auf BBC1 Scotland am 5. Oktober 1995.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=tZZwEnKydpc"><i>Gas Ship towed To Sea And Sunk (1946)</i></a>, Dokumentarfilmaufnahme einer offenbar 1946 in der <a href="Nordsee" title="Nordsee">Nordsee</a> mit Chemiewaffen versenkten Hulk von British Pathé auf youtube.com</li></ul>
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